Ein Jahrzehnt lang war Boxcryptor die Standardantwort auf „Wie verschlüssele ich meine Dropbox?“ Ende 2022 übernahm Dropbox dann die Schlüsseltechnologie von Boxcryptor; der Verkauf wurde eingestellt, bestehende Tarife liefen aus, und der Dienst, auf den sich viele datenschutzbewusste Cloud-Nutzer verlassen hatten, hörte faktisch auf zu existieren. Als Verbraucherfunktion von Dropbox ist die Verschlüsselung nie wieder aufgetaucht – als ehemaliger Boxcryptor-Nutzer wählen Sie also einen Ersatz und warten nicht auf eine Rückkehr.
Zuerst, vor allem anderen: Holen Sie Ihre Dateien heraus
Liegen bei Ihnen noch verschlüsselte Dateien im alten Boxcryptor-Format, entschlüsseln Sie sie, solange das noch geht. Eine funktionierende Boxcryptor-Installation mit Ihrem Konto entschlüsselt weiterhin lokal; ohne sie wird die Rettung mühsam. Entschlüsseln Sie alles in einen lokalen Ordner (vorübergehend – halten Sie den Rechner möglichst offline, wenn die Daten heikel sind), prüfen Sie, ob sich die Dateien öffnen lassen, und wechseln Sie erst dann zu einem neuen Verschlüsselungswerkzeug. Löschen Sie die Originale nicht, bevor die neu verschlüsselten Kopien geprüft sind.
Ihre zwei realistischen Ersatzmodelle
Modell 1: Ein transparenter Tresor – Cryptomator
Am nächsten an dem, wie sich Boxcryptor anfühlte: ein verschlüsselter Tresor im Sync-Ordner Ihrer Cloud, als virtuelles Laufwerk entsperrt, die Verschlüsselung im Alltag unsichtbar, die Dateinamen ebenfalls verschlüsselt. Cryptomator ist kostenlos, quelloffen und auditiert. Es ist die richtige Eins-zu-eins-Wahl, wenn Ihr Arbeitsablauf „eine Cloud, offizieller Sync-Client, meine eigenen Geräte“ lautet. Seine Grenzen: ein Tresorort, kein Teilen einzelner Dateien (Empfänger brauchen den Tresor), nichts für FTP, NAS oder mehrere Clouds ohne Zusatzwerkzeuge.
Modell 2: Verschlüsselung je Datei im Dateimanager – FTPie
Die Dateiverschlüsselung von FTPie hat eine andere Form: Statt einen Tresor einzuhängen, verschlüsseln Sie einzelne Dateien und Ordner – lokal oder auf jedem Speicher, den FTPie anbindet (Dropbox, Google Drive, OneDrive, FTP, SFTP, WebDAV, NAS). Rechtsklick → Verschlüsseln, AES-256, Schlüssel auf Ihrem PC abgeleitet und nie hochgeladen. Verschlüsseln nach … versiegelt und lädt in einem Schritt hoch, sogar von Cloud zu Cloud im Datenstrom, und das Entschlüsseln ist für alle kostenlos – schicken Sie jemandem eine .ftpie-Datei, und die kostenlose Version öffnet sie mit dem Passwort. Automatisieren lässt es sich ebenfalls: geplante Backups mit Kompression und Verschlüsselung bei jedem Lauf.
Die ehrlichen Grenzen gegenüber einem Tresor: Dateinamen bleiben sichtbar (zippen Sie zuerst, wenn das zählt), zum Verschlüsseln braucht es FTPie Pro, und ein transparentes virtuelles Laufwerk gibt es nicht – Verschlüsseln ist ein bewusster Schritt je Datei.
Kurzvergleich
| Boxcryptor (eingestellt) | Cryptomator | FTPie | |
|---|---|---|---|
| Modell | Transparente Tresorschicht | Transparenter Tresor | Je Datei, im Dateimanager |
| Verschlüsselung der Dateinamen | Ja | Ja | Nein (Namen sichtbar) |
| Mehrere Clouds plus FTP/NAS | Nur Clouds | Ein Tresor je synchronisiertem Ordner | Jeder verbundene Speicher, auch FTP/SFTP/NAS |
| Eine verschlüsselte Datei teilen | Über Konten | Tresorzugang nötig | Ja – Entschlüsseln für Empfänger kostenlos |
| Automatisierung | - | - | Geplante verschlüsselte Backups & Übertragungen |
| Preis | - | Desktop kostenlos (mobil kostenpflichtig) | Entschlüsseln kostenlos; Verschlüsseln in Pro |
Die ausführliche Fassung dieses Vergleichs – samt der Fälle, in denen wir Ihnen ehrlich zu Cryptomator raten würden – steht in FTPie im Vergleich zu Cryptomator.
Der Umstieg mit FTPie, Schritt für Schritt
- Entschlüsseln Sie aus Boxcryptor heraus in einen lokalen Ordner (siehe oben) und prüfen Sie die Dateien.
- Verbinden Sie Ihre Clouds in FTPie – Dropbox, Google Drive, oder wohin die Dateien gehören.
- Verschlüsseln nach … dem Ziel: Wählen Sie die lokalen Dateien aus, setzen Sie ein starkes Passwort (Passwort-Manager!), und sie kommen verschlüsselt an – Klartext berührt die Cloud nie.
- Richten Sie den wiederkehrenden Teil ein. Alles, was dauerhaft geschützt bleiben soll – Dokumentenordner, Exporte –, wird zu einem automatischen Backup mit aktivierter Verschlüsselung.
- Räumen Sie auf. Sobald alles geprüft ist, löschen Sie die vorübergehend entschlüsselten Kopien und den alten Chiffretext sicher.
Anleitungen je Cloud, samt der Fallstricke, die man kennen sollte: vor dem Upload zu Dropbox verschlüsseln und zu Google Drive. Für den gesamten Werkzeugkasten – BitLocker, EFS, Archive und wo jedes hingehört – beginnen Sie bei Ordner mit Passwort schützen: alle Windows-Optionen.
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